Wie lassen sich hochwertige Elektronikkomponenten wiederverwenden und neue zirkuläre Geschäftsmodelle entwickeln? Nachbericht zum 10. Treffen der Austauschplattform zirkuläre B2B Elektronik

08.10.2026
Die Austauschplattform „Zirkuläre B2B Elektronik“ war am 08.10.2026 für ihr zehntes Treffen zu Gast bei der Wöhler Technik GmbH in Bad Wünnenberg. Im Mittelpunkt standen konkrete Lösungen aus der Unternehmenspraxis. Wöhler Technik stellte Ansätze zur CO₂-Bilanzierung, Reparatur und Wiederverwendung von Elektronikkomponenten vor. ETAP Lighting zeigte mit Circular Light as a Service ein Geschäftsmodell, bei dem Planung, Finanzierung, Installation, Wartung und spätere Modernisierung der Beleuchtung als langfristige Dienstleistung angeboten werden.

Wöhler Technik entwickelt Mess-, Inspektions- und Reinigungstechnik für Schornsteinfeger, Installateure sowie für Unternehmen aus Industrie und Bau. Das international tätige Familienunternehmen beschäftigt weltweit mehr als 250 Mitarbeitende und hat seinen Hauptsitz in Bad Wünnenberg. Geschäftsführer Brian Gebers, Thomas Wecker und Simon Eich stellten die Transformationsreise des Unternehmens vor. Diese begann nicht mit einem fertigen Circular-Economy-Geschäftsmodell, sondern führte schrittweise über eine CO₂-Bilanzierung, eine CIRCO-Analyse und bestehende Leasing-Rückläufer hin zu konkreten Wiederverwendungsansätzen.

CO₂-Bilanzierung als Grundlage für zirkuläre Entscheidungen und mit der Circo-Methode zu neuen Geschäftsmodellen

Startpunkt bei Wöhler war die CO₂-Bilanzierung. Das Unternehmen nutzt unter anderem Daten aus seinem ERP-System, um Emissionen einzelnen Rohstoffen und Artikeln zuzuordnen. Auf dieser Grundlage lassen sich wesentliche Emissionstreiber erkennen und Maßnahmen nach dem 5R-Prinzip ableiten.

Der nächste Schritt entstand aus der Teilnahme an der CIRCO-Workshopreihe „Mehrwert durch Circular Design“, einem Beratungsangebot der Effizienz-Agentur NRW. Im Rahmen dieses Prozesses analysierte Wöhler den Wertstoffkreislauf des Abgasanalysegeräts A 450 und betrachtete, an welchen Stellen Materialien, Komponenten und wirtschaftliche Werte verloren gehen. Im Fokus stand zunächst der Kunststoffkoffer, im Verlauf des Prozesses wurde jedoch deutlich, dass die größten Potenziale an anderer Stelle liegen: bei den elektronischen Komponenten der Geräte. Hier zeigte sich, dass insbesondere hochwertige Elektronikkomponenten wie Platinen, Displays und Sensoren einen erheblichen Wertverlust erfahren, obwohl sie nach einer Aufarbeitung häufig noch weiter genutzt werden könnten.

Diese Ansätze knüpfen an bereits vorhandene Erfahrungen und Geschäftsmodelle in Italien an. Dort werden insbesondere Abgasanalysegeräte über Full-Service-Partnerschaften mit einer Laufzeit von 48 Monaten angeboten. Nach Ablauf der Leasingzeit gelangen die Geräte wieder zu Wöhler Technik zurück. Rund 70 Prozent der Kunden entscheiden sich anschließend für ein neues Gerät, während andere ihre bestehende Lösung übernehmen. Dadurch entstehen Rückläufer, die systematisch geprüft und bewertet werden.

Diese Erkenntnisse rückten Reparatur, Wiederverwendung und Refurbishment stärker in den Fokus. Als mögliche nächste Schritte wurden die Reparatur mit aufgearbeiteten Komponenten, der Verkauf generalüberholter Geräte sowie Miet- und Leasingmodelle identifiziert. Gleichzeitig sollen zukünftige Produkte noch reparaturfreundlicher gestaltet werden, beispielsweise durch langlebigere Steckverbindungen und eine bessere Austauschbarkeit von Komponenten. Somit existieren bereits heute verschiedene Circular-Economy-Projekte und zirkuläre Geschäftsansätze im Unternehmen. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Einzelaktivitäten zu einer übergreifenden Circular-Economy-Strategie weiterzuentwickeln.

Vom Verkauf einzelner Leuchten zum Licht als Dienstleistung

Einen zweiten Weg zur zirkulären Wertschöpfung stellten Michaël Joris und Dirk Pusch von ETAP Lighting International NV aus Belgien vor. Mit „Circular Light as a Service“, kurz C-LaaS, bietet das Unternehmen Beleuchtung und Sicherheitsbeleuchtung als Managed Service an. Kundinnen und Kunden zahlen eine feste jährliche Gebühr, während ETAP Planung, Finanzierung, Installation, Inbetriebnahme und Wartung übernimmt. Zugleich werden Lichtleistung, Energieeffizienz und die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen über die Vertragslaufzeit gewährleistet.

Das Modell verschiebt den wirtschaftlichen Fokus vom einmaligen Produktverkauf auf die langfristige Leistung der Beleuchtungsanlage. Für den Anbieter entsteht dadurch ein unmittelbares Interesse an langlebigen, wartbaren, reparierbaren und modernisierbaren Produkten. Nach Vertragsende kann die Anlage weiterbetrieben, modernisiert, vom Kunden übernommen oder von ETAP zurückgenommen und einer weiteren Nutzung zugeführt werden. Auch bei der Modernisierung bestehender Anlagen setzt ETAP auf Werterhalt. So können vorhandene Leuchtengehäuse, Deckenanschlüsse und elektrische Anschlüsse bestehen bleiben, während Lichtquelle und Optik durch moderne, energieeffiziente Technik ersetzt werden. Dadurch muss nicht zwangsläufig die gesamte Beleuchtungsanlage ausgetauscht werden.

Die Produkte werden mit Blick auf Langlebigkeit, Wartung, Reparatur, Renovierung, Wiederverwendung und Recycling entwickelt. Am Ende der Nutzung prüft ETAP, ob komplette Anlagen oder einzelne Komponenten weiterverwendet beziehungsweise aufgearbeitet werden können. Erst wenn keine höherwertige Option mehr möglich ist, werden Materialien zertifizierten Recyclingpartnern zugeführt. Das Service-Modell hat sich mittlerweile zu einem etablierten und wirtschaftlich erfolgreichen Geschäftszweig entwickelt.

Austausch und Kooperation als Schlüssel zur Umsetzung

Wie immer wurde im anschließenden Austausch nachgefragt und breit diskutiert. Themen wie Rohstoffe, zirkuläres Produktdesign, Rücknahme, Reparatur und Remanufacturing, Datenfragen, neue Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsnetzwerke sowie Regulatorik spielen für alle eine wichtige Rolle.

Wie geht es weiter?
Das 11. Treffen findet am 18.03.2027 bei der Paul Hettich GmbH & Co. KG in Kirchlengern statt.

Über die Austauschplattform „Zirkuläre B2B Elektronik“
Die Austauschplattform zirkuläre B2B (Business to Business) Elektronik zielt darauf ab, relevante Akteursgruppen auf OWL-Ebene zusammenzubringen, notwendige Rahmenbedingungen, Herausforderungen und Umsetzungshemmnisse im industriellen Elektronikbereich zu identifizieren und mit Blick auf konkrete Handlungsbedarfe zu diskutieren. Vor diesem Hintergrund treffen sich Akteure aus dem B2B Elektronikumfeld - Hersteller, Entsorger, Verbände / Multiplikatoren sowie Wissenschaft & Forschung.

Die Plattform ist eine Initiative von InnoZent OWL e.V. und Partner des Runden Tisches Zirkuläre Wertschöpfung NRW und wird im Rahmen des ElektronikForums OWL und des Projektes KreisEL durchgeführt. KreisEL unterstützt den Transitionsprozess der Elektronikbranche in Richtung Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft in Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen.

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Das Projekt KreisEL wird durch die Europäische Union und das Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des EFRE/JTF-Programms NRW 2021–2027 gefördert.

Ansprechpartnerin

Ulrike Künnemann

Projektleitung CE:FIRE, GoProZero, KreisEL  | Projektentwicklung

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