Nachlese Peer Group EU-Taxonomie / Treffen Nr. 9 am 29.01.2026 bei Westfalen Weser in Herford

Im Januar 2026 kam die ostwestfälisch-lippische Peer-Group zur EU-Taxonomie bereits zum neunten Mal zusammen, um sich kollegial über die konkrete Umsetzung der EU-Taxonomie-Verordnung in Unternehmen in OWL auszutauschen. Gastgeber war Westfalen Weser, mit dabei waren dieses Mal Vertreterinnen und Vertreter von der Bertelsmann Stiftung, dSpace, Dr. Wolff Group, Goldbeck, HWP Hinrichs & Partner, Melitta, Miele, Phoenix Contact, Volksbank in Ostwestfalen, WAGO, WEGE und InnoZent OWL.

Christian Debowicz von Westfalen Weser stellte das Projekt „Schlafender Riese“ in Lichtenau vor, ein Projekt zum regionalen Ausbau der erneuerbaren Energien. Dort soll ein 10-Megawatt-Elektrolyseur überschüssige Windenergie aus der Region nutzen, um grünen Wasserstoff zu erzeugen. Dieser soll sowohl energieintensive Industriebetriebe als auch den Mobilitätssektor in der Region versorgen. Neben dem Bau der Wasserstofferzeugungsanlage geht es auch darum, die namensgebende 6 Kilometer lange, aktuell für den Erdgasbetrieb genutzte, Gashochdruckleitung für den Wasserstoffbetrieb umzurüsten. Dieser Projektschritt soll bis zum zweiten Quartal 2027 abgeschlossen sein. Die Inbetriebnahme des Elektrolyseurs ist für das dritte Quartal 2027 geplant. Das Auftragsvolumen der Wasserstofferzeugungsanlage beläuft sich auf knapp 30 Millionen Euro, wovon rund 11,2 Millionen Euro durch das Land NRW gefördert werden. 

Im Anschluss berichteten Ulrike Upmeyer und Martin Könneker über die Nachhaltigkeitsaktivitäten von Westfalen Weser. Die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens soll weiter geschärft und zukünftig als integraler Bestandteil in die Unternehmensstrategie (Strategie 2035) eingebunden werden. 

Jakob Kunzlmann von der Bertelsmann Stiftung gab einen exklusiven Vorab-Einblick in den aktuellen Sustainability Transformation Monitor (STM) für 2026, welcher seit 2023 jährlich von der Bertelsmann Stiftung, der Stiftung Mercator, der Universität Hamburg und der Peer School for Sustainable Development erhoben wird. Zum Stand der Transformation der Wirtschaft wurden diesmal 513 Expertinnen und Experten in Unternehmen der Realwirtschaft und 192 Personen aus dem Finanzsektor befragt. Jakob Kunzlmann ging auf Treiber und Hemmnisse, den Einfluss des Omnibus-Verfahrens für die Berichterstattung und die Zunahme der Bedeutung des VSME-Berichtsstandards ein. 

Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass die Unternehmen sich zum Großteil in den Ergebnissen des STMs wiederfinden. Durch das Omnibus-Verfahren hat das Thema Nachhaltigkeit an Priorität verloren. Die Relevanz ist aber weiter unbestritten, nicht zuletzt durch den Druck der Finanzwirtschaft und seitens der bekannten Ratingagenturen. Auch der Druck auf Kundenseite sei weiterhin gegeben. An Relevanz gewinnen die Social & Governance -Themen, z.B. in den Bereichen S2 Standards in der Lieferkette oder der Klimarisikoanalyse. Eine große Rolle spielt auch der internationale Vergleich mit Märkten wie beispielsweise Frankreich, Polen, Italien, Brasilien, Urugay und China. Hier wird zunehmend die Gefahr gesehen, dass diese uns überholen, während der deutsche Markt noch mit der Diskussion um die Regulatorik beschäftigt ist. Viele Wirtschaftsprüfer haben in ihrem Umfeld beobachtet, dass die Entwicklungen nach dem Omnibus-Verfahren wie eine „Vollbremsung“ gewirkt haben. So wurden aufgebaute Strukturen insbesondere in Unternehmen im Mittelstand gar nicht erst weiter ausgebaut.

Diskussionen gibt es auch um die am 08.01.2026 veröffentlichte Delegierten Verordnung (EU) 2026/73 zur Taxonomie-Verordnung. Positiv wird bewertet, dass gewisse Erleichterungen bei den Berichtspflichten, unter anderem durch eine Wesentlichkeitsschwelle von 10% sowie eine Reduzierung der zu meldenden Datenpunkte zu erwarten ist. Aufwand und Nutzen werden bei den Unternehmen gezielter ins Verhältnis gesetzt und die Detailtiefe wird reduziert. Messbare Fortschritte wurden erzielt und das Ambitionsniveau gesteigert.

Das 10. Treffen der Gruppe findet am 03. November 2026 bei dSpace in Paderborn statt. 

Was gilt künftig als nachhaltig und was nicht? Die EU Taxonomie Verordnung beschreibt einen Rahmen, um “grüne” oder “nachhaltige” Wirtschaftstätigkeiten innerhalb der EU allgemeingültig zu klassifizieren. Dabei stehen folgende sechs Umweltziele im Fokus:

1. Klimaschutz
2. Anpassung an den Klimawandel
3. Nachhaltiger Einsatz und Gebrauch von Wasser oder Meeresressourcen
4. Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
5. Vorbeugung oder Kontrolle von Umweltverschmutzung
6. Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen

Die Peer Group zur EU-Taxonomie wird gemeinsam vom CSR-Kompetenzzentrum OWL bei der GILDE Wirtschaftsförderung Detmold, vom InnoZent OWL e.V. (Projekt CE:FIRE zirkulär.frugal.regenerativ) und der WEGE Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld mbH organisiert.

Die Peer Group zur EU-Taxonomie wird gemeinsam vom GILDE GmbH Gewerbe- und Innovationszentrum Lippe-Detmold / CSR-Kompetenzzentrum OWL, der WEGE Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld mbH und InnoZent OWL im Rahmen des Projekts CE:FIRE organisiert.

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Das Projekt CE:FIRE zirkulär.frugal.regenerativ wird mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union und des Landes NRW durchgeführt.

Ansprechpartnerin

Ulrike Künnemann

Projektleitung | Zirkuläre Wertschöpfung, Digitalisierung, Projektentwicklung

Telefon: +49 5251 2055 - 915

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