Nachbericht – Neue Geschäftsmodelle durch die Kreislaufwirtschaft: Produktionsabfälle als Nebenprodukte vermarkten

Am 24. Februar 2026 fand im Technologie- und Wissenszentrum der Follmann Gruppe in Minden die Veranstaltung „Neue Geschäftsmodelle durch die Kreislaufwirtschaft – Produktionsabfälle als Nebenprodukte vermarkten“ statt. Zahlreiche Teilnehmende aus Industrie, Recycling- und Abfallwirtschaft sowie Wissenschaft informierten sich darüber, wie Produktionsabfälle und -reste in wertvolle Nebenprodukte überführt werden können und diskutierten gemeinsam Chancen und Herausforderungen.

Als Gastgeber bot die Follmann Gruppe den passenden Rahmen für das Thema. Die Unternehmensgruppe produziert jährlich über 60.000 Tonnen Spezialchemikalien, darunter wasserbasierte Druckfarben und Barrierebeschichtungen, biobasierte Klebstoffe sowie Mikroverkapselungen. Diese finden Anwendung in Verpackungen, Textilien, Möbeln, Dekordrucken oder im Infrastrukturbereich. Nachhaltigkeit ist dabei seit vielen Jahren fest im Unternehmen verankert: Die Follmann Gruppe strebt kontinuierliche Verbesserungen in den Bereichen Umwelt, Sicherheit und Gesundheit an und legt großen Wert auf Transparenz sowie partnerschaftliche Zusammenarbeit entlang der Lieferkette.

Wie sehr die Perspektive darüber entscheidet, ob ein Material als Abfall oder als Rohstoff wahrgenommen wird, verdeutlichte Jens Ottmüller, Geschäftsführer der Otto A. Müller GmbH. Wer Stoffströme konsequent neu denkt, entdeckt darin Innovationschancen und zusätzliche Wertschöpfung.

An diesen Impuls knüpfte Katharina Dombrowski, Geschäftsführerin der ReUse and Trade GmbH, an. Sie machte auf ein zentrales Spannungsfeld aufmerksam: Viele Produkte werden entsorgt oder aufwendig recycelt, obwohl sie weiterhin nutzbar wären. Ihr Ansatz setzt deshalb auf Wiederverwendung statt Verwertung. Unternehmen können so Entsorgungskosten und Lagerdruck reduzieren und zugleich funktionstüchtige Maschinen und Materialien im Kreislauf halten. Die strategische Einordnung übernahm anschließend Anja Vogel von der Effizienz-Agentur NRW. Kreislaufwirtschaft bedeutet nicht nur Ressourcenschonung und CO₂-Reduktion, sondern eröffnet auch neue Geschäftsmodelle. Mit der CIRCO-Workshopreihe stellte sie ein praxisnahes Format vor, das Unternehmen dabei unterstützt, ein zirkuläres Geschäftsmodell zu entwickeln und einen konkreten Fahrplan für dessen Umsetzung zu erarbeiten. Die folgenden Praxisbeispiele wurden mithilfe dieser Methode entwickelt. 

Dr. Thomas Hohberg und Andreas Franke von der Follmann Gruppe berichteten, wie sich Anfahrverluste bei Schmelzklebstoffen durch neue Einsatzmöglichkeiten wirtschaftlich nutzen lassen. Was zuvor Entsorgungskosten verursachte, bleibt heute im Wertschöpfungskreislauf, ersetzt Primärrohstoffe und generiert zusätzliche Erlöse. Dr. Lukas Eickhoff von der Bio-Circle Surface Technology GmbH stellte ein System vor, bei dem Reiniger mithilfe von Mikroorganismen von Ölen und Fetten befreit werden und dadurch deutlich länger im Einsatz bleiben. So werden Abfälle vermieden und Ressourcen geschont. Ein weiteres Beispiel lieferte David Müller von der natstruct AG. Das Unternehmen gewinnt Hochleistungsfasern aus landwirtschaftlichen Reststoffen, die unter anderem in der Bau-, Automobil- und Textilindustrie eingesetzt werden. Dadurch entstehen zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe, während gleichzeitig auf das Verbrennen von Ernterückständen verzichtet werden kann. Zugleich wird regionale Wertschöpfung gestärkt.

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele Unternehmen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Der offene Austausch, das anschließende Networking sowie die angebotene Werksführung boten Raum, um Kontakte zu vertiefen und erste Lösungsansätze weiterzudenken. Deutlich wurde an diesem Nachmittag vor allem eines: Die Umwandlung von Produktionsabfällen in marktfähige Nebenprodukte ist mehr als ein Beitrag zum Umweltschutz – sie eröffnet Unternehmen konkrete wirtschaftliche Perspektiven.
 

Eine gemeinsame Veranstaltung von InnoZent OWL e.V. (Projekt CE:FIRE), Effizienz-Agentur NRW, Kreis Minden-Lübbecke, WIN Wirtschaftsförderung im Landkreis Nienburg/Weser GmbH, Regionale Entwicklungskooperation Weserbergland+, IHK Lippe zu Detmold und IHK Ostwestfalen zu Bielefeld.

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Das Projekt CE:FIRE zirkulär.frugal.regenerativ wird mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union und des Landes NRW durchgeführt.

Ansprechpartnerinnen

Celine Deepe

Projekt CE:FIRE

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Ulrike Künnemann

Projektleitung | Zirkuläre Wertschöpfung, Digitalisierung, Projektentwicklung

Telefon: +49 5251 2055 - 915

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