Einblick in die Praxis der Entsorgungswirtschaft: Ergebnisse der BattOut-Interviews
Im Rahmen des Projekts BattOut wurde in der ersten Projektphase der Fokus auf den Austausch mit zentralen Akteuren der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft gelegt. Insgesamt wurden 17 Interviews mit Mitarbeitenden von Wertstoffhöfen sowie mit Vertreterinnen und Vertretern von Fachverbänden geführt und systematisch ausgewertet. Ziel unserer Gespräche war es, ein belastbares Bild der aktuellen Praxis zu gewinnen, strukturelle Herausforderungen bei der Batterieaussonderung zu identifizieren und daraus Anforderungen für unsere weitere Projektarbeit abzuleiten.
Die Interviews verdeutlichen, dass sich die Perspektiven von Verbänden und operativen Betrieben sinnvoll ergänzen. Während die Gespräche mit Verbandsvertretungen insbesondere Fragen der regulatorischen Rahmenbedingungen, der gesetzlichen Entwicklungen und der Rolle von Bildung und Information in den Blick nahmen, standen bei den Wertstoffhöfen die praktischen Herausforderungen des täglichen Betriebs im Vordergrund. Diese Kombination ermöglichte es, sowohl strukturelle als auch operative Aspekte der Batterieaussonderung systematisch zu erfassen.
In der Praxis erfolgt die Erkennung und Trennung batteriebetriebener Elektroaltgeräte überwiegend manuell. Mitarbeitende stützen sich dabei vor allem auf Sichtprüfungen, Erfahrungswissen und Rückfragen bei den Anliefernden.
Dieses Vorgehen wird von den Befragten als grundsätzlich etabliert, zugleich aber als zeitintensiv und fehleranfällig beschrieben. Die zunehmende Vielfalt an Geräten, kompakte Bauweisen mit fest verbauten Batterien sowie unklare oder fehlende Kennzeichnungen erschweren eine eindeutige Zuordnung und erhöhen den Aufwand für das Personal.
Ein zentrales Thema, das sich durch nahezu alle Interviews zieht, ist die Brandgefahr durch falsch entsorgte oder nicht erkannte Batterien. Lithiumbasierte Energiespeicher werden branchenweit als erhebliches Sicherheitsrisiko wahrgenommen. Viele Betriebe haben in den vergangenen Jahren zusätzliche Maßnahmen ergriffen, etwa durch Schulungen, organisatorische Anpassungen oder spezielle Lagerkonzepte. Dennoch wird deutlich, dass diese Maßnahmen häufig erst greifen, wenn batteriebetriebene Geräte bereits in den Stoffstrom gelangt sind. Die frühzeitige Erkennung wird daher als entscheidender Ansatzpunkt gesehen, um Sicherheitsrisiken nachhaltig zu reduzieren.
Auch wirtschaftliche und organisatorische Aspekte spielen eine wichtige Rolle. Die manuelle Sortierung bindet Personalressourcen und ist insbesondere bei hohen Anliefermengen eine Herausforderung. Fehlwürfe durch Bürgerinnen und Bürger sowie uneinheitliche Produktinformationen erhöhen den Aufwand zusätzlich. Insgesamt bewerten die Interviewten die bestehenden Prozesse als funktional, sehen jedoch klaren Verbesserungsbedarf, insbesondere mit Blick auf Effizienz, Sicherheit und langfristige Belastbarkeit der Abläufe.
Vor diesem Hintergrund äußern die befragten Akteure einen deutlichen Bedarf an technischer Unterstützung. Erwartet werden Lösungen, die zuverlässig arbeiten, alltagstauglich sind und sich ohne grundlegende Umstellungen in bestehende Prozesse integrieren lassen. Als besonders vielversprechend werden digitale und automatisierte Ansätze eingeschätzt, etwa bildbasierte Erkennungssysteme oder der Zugang zu verlässlichen Produktinformationen. Gleichzeitig betonen die Interviewpartner, dass neue Systeme die Mitarbeitenden unterstützen sollen, nicht ersetzen, und dass Benutzerfreundlichkeit sowie Robustheit zentrale Anforderungen darstellen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Akzeptanz neuer Technologien im Betrieb. Die Interviews zeigen, dass Schulung und Begleitung eine zentrale Rolle für eine erfolgreiche Einführung spielen. Praktische Einweisungen, verständliche Materialien und klare Ansprechpartner werden als wichtige Voraussetzungen genannt, um neue Lösungen dauerhaft im Arbeitsalltag zu verankern. Digitale Systeme werden dabei nicht nur als technische Werkzeuge verstanden, sondern auch als Chance, Informations- und Datenflüsse besser zu strukturieren und regulatorische Anforderungen transparenter abzubilden.
Insgesamt haben uns die Interviewergebnisse deutlich gezeigt, dass die Herausforderungen bei der Batterieaussonderung nicht auf einzelne Standorte beschränkt sind, sondern strukturelle Fragestellungen der gesamten Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft betreffen. Gleichzeitig zeigen die Gespräche eine hohe Bereitschaft zur Weiterentwicklung bestehender Prozesse und eine große Offenheit gegenüber praxisnahen Innovationen. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden eine zentrale Grundlage für unsere weitere Arbeit in BattOut und fließen direkt in die nächsten Projektphasen ein, in denen wir die ermittelten Anforderungen schrittweise in unser praxisnahes Erkennungssystem überführen.
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