„Klartext und Anpacken auf dem zirkulären Transformationsweg in der Elektronikbranche“

4. Treffen am 08.07.2026 im Innovation Center der Vorwerk Elektrowerke in Wuppertal

Wie können Rohstoff- und Materialverfügbarkeit und damit Resilienz in Lieferketten durch Kreislaufwirtschaft zukünftig gestärkt werden? 

Diese Frage war Thema für das 4. Treffen des Dialogformats „Klartext und Anpacken auf dem zirkulären Transformationsweg in der Elektronikbranche“ am 08.07.2026 bei den Vorwerk Elektrowerken in Wuppertal. 

Die Vorwerk SE & Co. KG mit Sitz in Wuppertal wurde 1883 dort gegründet und ist in 67 Ländern aktiv. Kerngeschäft sind Produktion und Direktvertrieb von Haushaltsprodukten wie der Küchenmaschine Thermomix und dem Staubsauger Kobold. Mit mehr als 129.400 selbständigen Beraterinnen und Beratern ist Vorwerk weltweit führend im Direktvertrieb hochwertiger Haushaltsgeräte. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Vorwerk-Gruppe einen Gesamtumsatz von rund 3,6 Milliarden Euro.

Im Rahmen des Handlungsfelds RE:CONNECT seiner Circular-Economy-Strategie entwickelt WAGO-Ansätze, um Produktkreisläufe zu schließen und Ressourcen länger im Einsatz zu halten. Astrid Burschel stellte hierzu ein Pilotprojekt in den Niederlanden vor, bei dem gebrauchte WINSTA® Steckverbindungen zurückgenommen werden. Gemeinsam mit dem Partner CIRCOLEKTRA werden die Produkte geprüft, sortiert und je nach Zustand einer Wiederverwendung, Aufbereitung oder dem Recycling zugeführt. Damit verfolgt WAGO das Ziel, den Wert von Produkten und Materialien möglichst lange zu erhalten und die Kreislaufwirtschaft in der Praxis voranzutreiben.

Was am Lebensende von Elektronikprodukten zählt, beschrieb Thorsten Figge von der Lobbe Gruppe. Die Lobbe-Gruppe ist ein Entsorgungs- und Umweltdienstleister, der für Industrie- und Gewerbekunden Leistungen im Bereich Abfallmanagement, Recycling und Industrieservice erbringt. Für den Elektronikbereich ist insbesondere die Behandlung von Elektro- und Elektronikaltgeräten sowie von Kabel- und Metallabfällen relevant. Lobbe übernimmt deren Erfassung und führt die Materialien geeigneten Behandlungs- und Recyclingprozessen zu. Dabei werden verwertbare Bestandteile von nicht verwertbaren oder schadstoffhaltigen Materialien getrennt. Für den gewerblichen Elektronikbereich ist dieser Ansatz besonders relevant, da eine funktionierende Kreislaufwirtschaft nicht allein durch recyclinggerechte Produkte entsteht. Ebenso notwendig sind geeignete Rücknahme-, Sammel-, Sortier- und Recyclingstrukturen. Lobbe übernimmt hierbei einen wesentlichen Teil der Reverse-Logistics- und Recyclingkette und verbindet die Abfallströme von Unternehmen mit der nachgelagerten Rohstoffverwertung. Somit leistet Lobbe im Elektronikbereich vor allem durch Sammlung, Stoffstrommanagement, Recycling und Rückgewinnung von Sekundärrohstoffen einen Beitrag zur Zirkularität. 

Die Circular Economy wird eng von Gesetzen und Rahmenbedingungen auf EU-, Bundes- und teilweise auch NRW-Ebene beeinflusst. Cornelius Laaser vom Umweltministerium NRW gab einen Überblick über aktuelle Entwicklungen. 

Die Veröffentlichung des Circular Economy Acts wird im Herbst 2026 erwartet. Hier wird es voraussichtlich zu Anpassungen der WEEE-Richtlinie kommen wie beispielsweise einer Erfassung von Elektro- und Elektronik-Altgeräten zur besseren Rückgewinnung von kritischen Rohstoffen, einer optimierten Behandlung von Elektro- und Elektronik-Altgeräten zur Erhaltung von Komponenten mit hohem Gehalt an kritischen Rohstoffen sowie einer Überarbeitung der Altfahrzeug-Richtlinie, um die Rückgewinnung von kritischen Rohstoffen aus Kraftfahrzeugen zu ermöglichen. 

Der EU-Aktionsplans RESourceEU wurde bereits im Januar 2026 veröffentlicht und ist eine Reaktion auf hohe EU-Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen (z. B. Lithium, seltene Erden, Kobalt) und geopolitische Risiken. Ziel ist, resiliente Lieferketten durch mehr Gewinnung, Verarbeitung und Recycling in der EU sowie eine geringere Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu erhalten. Der Fokus liegt auf drei strategischen Bereichen: Seltene Erden & Permanentmagnete, Rohstoffe für Batterien und Energiespeicher sowie kritische Materialien für Verteidigung und Sicherheit.

Der Critical Raw Materials Act erfordert eine Lieferketten-Transparenz. D.h. Unternehmen müssen ihre Lieferanten offenlegen und auf kritische/strategische Rohstoffe prüfen. Weiterhin gibt es eine Kennzeichnungspflicht. Ab Ende 2028 müssen Produkte mit verbauten Dauermagneten (z. B. in Elektromotoren) entsprechend gelabelt werden. Es werden weitere Recycling-Informationen gefordert. Ab 2027 müssen Unternehmen über den Einsatz von Post Consumer-Rezyklaten in bestimmten Produkten informieren.

Das Ökodesign- Gesetz des Bundes tritt am 01.11.2026 in Kraft. Die Umsetzung der EU-Ökodesign-Vorgaben wird in deutsches Recht umgesetzt und zentrale Anforderungen wie Langlebigkeit, Reparierbarkeit etc. übernommen. Es gilt für physische Produkte & Komponenten. 

Das Recht auf Reparatur benennt neue Pflichten für Hersteller (je nach Produktgruppe). Es gibt eine Reparaturpflicht für Produkte, die bereits unter EU-Ökodesign-Reparaturvorgaben fallen (u. a. Staubsauger, Waschmaschinen, Smartphones), eine Verlängerung der Gewährleistungspflicht auf 3 Jahre (nach Reparatur), Reparaturen auch nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistung sowie zu angemessenem Preis und innerhalb einer angemessenen Frist. Hersteller müssen erforderliche Ersatzteile und Reparaturinformationen verfügbar halten (Fristen je nach Produktgruppe, z. B. bis zu 10 Jahre) und Verbraucher erhalten künftig einen unmittelbaren Reparaturanspruch gegenüber dem Hersteller. 

Im Handlungsfeld Elektrotechnik liegt der Fokus der Kreislaufwirtschaftsstrategie NRW auf einem Produktdesign hinsichtlich Reparierbarkeit, Modularität und Langlebigkeit, einer Ausweitung von Reparaturangeboten, einer Berücksichtigung bei der Öffentlichen Beschaffung, der Rückgewinnung kritischer Rohstoffe, der Steigerung der Sammelquote (Handel, Wertstoffhöfe) sowie einer Sensibilisierung und Einbeziehung von Verbraucherinnen und Verbrauchern. 

Wie geht es weiter? 

Das 5. Treffen findet am 25.11.2026 bei der Firma MENNEKES in Welschen Ennest statt. 

Über das Dialogformat

Die Elektronikindustrie im B2B (Business-to-Business) sowie im B2C (Business-to-Consumer) Bereich spielt in NRW eine wichtige Rolle. Nicht nur sind Elektronikprodukte eine der am schnellsten wachsenden Produktgruppen. Auch wächst damit gleichzeitig der Elektronikabfall, während die Sammlung, das Recycling sowie die Wiederverwertung von elektronischen Produkten und Komponenten nach wie vor unzureichend sind. Hinzu kommt, dass ein Teil der Grundrohstoffe in der Elektronikbranche perspektivisch knapp und dadurch auch immer teurer werden. Daneben kommen auf die Branche umfassende gesetzliche Anforderungen zu, wie z.B. die Ökodesignrichtlinie, das Recht auf Reparatur, WEEE (Waste of Electrical and Electronic Equipment - Elektro- und Elektronikgeräte-Abfall) oder das ElektroG (Elektro- und Elektronikgerätegesetz). Aufgrund dieses Spannungsfeldes bietet der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft einerseits eine Reihe von Zukunftsperspektiven für die Branche in NRW, andererseits steht diese vor einer Vielzahl von Herausforderungen, die einzelne Unternehmen nicht allein bewältigen können. 

Ziele des Dialogformats sind auf strategischer Ebene die Entwicklung eines Zielbildes und eines gemeinsamen Weges von Wirtschaft und Politik für die Branche mit Blick auf NRW. 

 

Das Dialogformat „Klartext und Anpacken auf dem zirkulären Transformationsweg in der Elektronikbranche“ ist eine gemeinsame Initiative des Umwelt- und des Wirtschaftsministeriums NRW und wird von InnoZent OWL e.V. und INZIN e.V. im Rahmen des Projektes KreisEL inhaltlich und organisatorisch begleitet. 

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Das Projekt KreisEL - Unterstützung des Transitionsprozesses der Elektronikbranche auf dem Weg in die Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft für die Regionen Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen wird mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union und des Landes NRW durchgeführt.

Ansprechpartnerin

Ulrike Künnemann

Projektleitung CE:FIRE, GoProZero, KreisEL  | Projektentwicklung

Telefon: +49 5251 2055 - 915

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