Interview: Timon Thöne zu Augmented Reality (AR)

Paderborn l 16.09.2021

In einem Experteninterview haben wir mit Timon Lorenz Thöne, über das Thema „Augmented Reality (AR)“ gesprochen. Die wichtigsten Ergebnisse hierzu haben wir im folgenden Text für Sie auszugsweise bereitgestellt. Das vollständige Interview finden Sie hier.

 

Herr Thöne, Sie sind Experte für Augmented Reality. Was ist eigentlich AR?

Augmented Reality ermöglicht es über ein digitales Device, wie ein Tablet, Smartphone oder eine AR-Brille 3D-Objekte oder Informationen digital in den realen Raum hineinzurechnen und damit – einem Hologramm ähnlich – darzustellen. So kann beispielsweise ein Möbelstück wie ein Sofa, über die Kamera eines Tablets, maßstabsgetreu in den Raum projiziert werden. Die Sensorik des digitalen Device, in den meisten Fällen nur die Kamera, wird benutzt, um Boden und Wände zu identifizieren und somit das virtuelle Objekt korrekt im Raum zu platzieren. Neben der maßhaltigen Darstellung des Sofas wird auch das einfallende Licht, sowie Schatten berücksichtigt. Dies ist eine klassische Anwendungsmöglichkeit von AR im E-Commerce. Prominentere Beispiele sind Anwendungen wie Pokémon Go oder Snapchat, in denen Pokémon in die reale Welt projiziert und eingefangen oder mittels Kamera diverse Filter bei der Fotogestaltung genutzt werden.

 

Was sind die größten Mehrwerte von AR für ein KMU?

Die Mehrwerte sind abhängig von dem was das KMU macht. So kann AR beispielsweise Aufmerksamkeit erzeugen, indem es als Werbegag auf der Messe eingesetzt wird. Es kann aber auch einen großen Mehrwert liefern, indem Produkte wie Industriemaschinen vor Ort mittels eines Tablets dargestellt werden, so dass die Transportkosten als auch das Transportrisiko entfallen. Das heißt immer, wenn die Produkte groß, schwer und sperrig sind, bietet AR den Vorteil, dass Produkt virtuell mitzubringen, dreidimensional und maßstabsgetreu darzustellen und es von allen Seiten zu betrachten. Aber auch im Bereich der Informationsvermittlung kann AR einen riesigen Mehrwert liefern, indem es den Nutzer zum Beispiel bei der Navigation unterstützt. So können beispielsweise in der Fabrikhalle virtuelle Wegpfeile eingeblendet werden, welche die kürzesten Wege anzeigen und damit die Logistik optimieren. Das ist ein bisschen ähnlich wie wir es aus Science-Fiction-Filmen oder aus Videospielen kennen. AR kann überall dort helfen, wo die Möglichkeit besteht Zusatz-informationen sinnvoll virtuell anzubringen.

 

Welche Voraussetzung sollte ein Unternehmen mit sich bringen, bevor es AR einführt?

Zunächst sollte man sich darüber im Klaren sein, welche Prozesse vorhanden sind, um zu überlegen, welche mit AR effizienter gestaltet werden können. Geht es beispielsweise darum eine Maschine für den Vertrieb virtuell abzubilden, sollte man sich zuallererst damit beschäftigen, wie komplex die Anwendung werden muss, um dem Kunden einen wirklichen Mehrwert zu bieten. Soll die Maschine nur platziert und betrachtet werden oder soll mit ihr auch interagiert werden können, um Funktionen vorzuführen? Dementsprechend skaliert der Aufwand. Es lohnt sich auch darüber nachzudenken, ob der Kunde auf seinem eigenem Gerät AR erleben soll, oder ob der Vertriebsmitarbeiter – um beim Beispiel zu bleiben – ein State-of-the-Art Tablet zum Kundentermin mitbringt. Je nach Situation kann es sein, dass sich eine webbasierte Lösung eher lohnt als eine Appbasierte. Erstere hat weniger Hürden, ist dafür dann aber auch eingeschränkter in den Funktionalitäten. Wenn es nur darum geht ein Produkt maßhaltig im Raum zu betrachten ist eine webbasierte Lösung, die beispielsweise auch in den Onlineshop eingebunden werden kann, ideal. Geht es eher um Interaktion und das Vorführen von Funktionen, so ist man mit der App meist besser dran, aber auch hier kommt es auf den Einzelfall an. Neben der konzeptionellen Ebene ist vor allem die Datenlage relevant. Denn mit 3D Daten steht und fällt das Unterfangen. Sie sind die Grundlage für jede Arbeit mit Technologien wie VR oder AR. Natürlich können wir 3D Daten generieren, jedoch ist dies im Hinblick auf Aufwände zu berücksichtigen. Denn auch hier ist die notwendige Komplexität der 3D Daten gebunden an das Konzept der Verwendung von diesen. Kurzum sollte man also genau wissen, was man vorhat, um den Kosten- und Zeiteffizientesten Weg zur Umsetzung und Implementierung von AR zu gehen, um schlussendlich einen Return on Invest zu gewährleisten.

 

Wie sehen Sie die Zukunft von AR im Unternehmensbereich?

Schon heute ist AR bei der Generation Snapchat und Pokémon Go Alltag. Diese wächst mit der Technologie auf, hält sie für selbstverständlich und erwartet wiederrum Angebote in dem Bereich. Überall wo eine Nachfrage existiert, gibt es am Ende auch Akteure, die diese bedienen. Deshalb gehe ich fest davon aus, dass sich AR, global als auch in Deutschland, zu einer alltäglichen Standardlösung entwickeln wird. Bereits heute können Anwendungen wie Google Maps teilweise auch mit AR genutzt werden. Statt eine Stadtkarte in Vogelperspektive zu sehen, bekommt der Anwender direkt in der Kamera angezeigt, wo er langlaufen muss oder wie die jeweilige Straße heißt. Wenn wir noch ein wenig weiterdenken, wird das Smartphone wohlmöglich in wenigen Jahren komplett ausentwickelt sein. Dann stellt sich die Frage, was der nächste große Hype sein könnte. Bereits heute gibt es Hinweise, dass Apple eine AR-Brille für den Consumer entwickelt. Die Nutzung von AR via Brille bietet den Vorteil, dass die Hände frei sind und man so besser mit der Umwelt interagieren kann, obwohl man zeitgleich virtuelle Zusatzinformationen direkt in das Blickfeld erhält. Spätestens zu diesem Zeitpunkt verlassen AR-Anwendungen die Nische und gehen in den Massenmarkt mit den entsprechenden Angeboten. Dann liegt es an den Unternehmen die Chance zu nutzen, mitzuziehen und auch daran zu partizipieren. Egal ob mit optimierten Prozessen oder völlig neuen Produkten in der Welt, die virtuell über unser aller Realität gelegt wird.

 

Das vollständige Interview und viele weitere Informationen zum Thema AR finden Sie hier.

 

Timon Lorenz Thöne arbeitet freiberuflich in der Trend- und Technologiekommunikation und ist zudem VR & AR Consultant bei der viality AG – dem Pionier im Bereich VR / AR in der Industrie 4.0. Vom Dortmunder Headquarter und Dependancen in München und London unterstützt viality Unternehmen vom Mittelständler bis zum DAX-Konzern bei der Digitalisierung mit Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) Anwendungen. Zudem entwickelt viality eigene Extended Reality Soft- und Hardwarelösungen für digital ergänzende Lern- und Trainingsumgebungen, sowie Plattformen für virtuelle Messen und hybride Veranstaltungen aller Art.

Zudem ist Thöne Mitgründer des Deutschen Institutes für virtuelle Realitäten (DIVR), einem gemeinnützigen Verein, der als Impulsgeber für die sinnvolle Implementierung von VR, AR und Mischformen in der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft wirkt.